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Tourismusförderung, Kultur, Biodiversität und Gesundheit
Flores, der Name einer Insel im östlichen Indonesien. Hier schien die Zeit stehen geblieben zu sein.
Von der bekannten Ferieninsel Bali erreicht man diesen, von den Portugiesen „Blumeninsel“ getauften Ort, mit dem Boot, mit dem Bus über Fähren und Land, oder mit dem Flugzeug.
Die Überlandtour mit ein paar Fährfahrten ist sicher die günstigste und interessanteste, jedoch dauert es ein paar Tage, bis man den Ort Labuan Bajo an der Westküste von Flores erreicht. Mit dem Boot schafft man es in 2 Tagen, mit dem Flugzeug am schnellsten und bequemsten.

Auf einer Länge von etwa 380 km in west-östlicher Richtung und mit einer Breite zwischen 12 und 70 km in Nord-Süd-Ausrichtung, ist die Insel in 6 Distrikte aufgeteilt. Mindestens 5 verschiedene regionale Sprachen verteilen sich auf diese Distrikte und nur wer die Schule besucht, kommt in den zusätzlichen Genuss der Landes- und Amtssprache Bahasa Indonesia. Auf einer Strecke von weniger als 100km finden sich dort völlig verschiedene Sprachen. Ähnlich sind sich diese regionalen Sprachen auch nicht und lange Zeit waren die Busfahrer der Überlandbusse mit die angesehensten Personen auf der Insel, denn sie besaßen die Kenntnisse der verschiedenen Regionssprachen, wohingegen der normale Florenese lediglich seine eigene Regionssprache beherrschte und ggf. noch ein wenig der Landes- und Amtssprache. Im Westen sagt man für „Gehen“ - „Lako“, während man im Osten hierfür den Begriff „Bano“ einsetzt. In der Landes- und Amtssprache heißt es übrigens „Jalan“.

Die Insel Flores, am Schnittpunkt der eurasischen und asiatischen Kontinentalplatten gelegen, ist überwiegend vulkanischen Ursprungs. Flora und Fauna sind mannigfaltig und sehr abwechslungsreich. Es gibt dichte Monsunwälder mit seltenen Echsen-, Affen- und Papageienarten, ebenso wie trockene, steppenähnliche Landschaften. Weltbekannt ist der Komodo Nationalpark vor der Westküste, die Heimat der letzten noch lebenden Dinosaurier, der Komodo Warane. Berühmt sind auch die einzigartigen Korallengärten vor der Küste von Flores.
Bis vor kurzem waren es abenteuerlustige Backpacker oder erfahrene Tauchfreunde, die die Insel besuchten.

Die Wagemutigen unter ihnen, die die Insel meist von West nach Ost durchquerten, brauchten Mut, Zeit und noch mehr Zeit. Die einzige Straße, welche den Westen mit dem Zentrum und dem Osten verbindet, der „Trans-Flores-Highway“, ist eine sehr abenteuerliche Wegstrecke. Besonders in der Regenzeit kann es täglich zu Erdrutschen, Unterspülungen der Straße oder zu Einstürzen von Brücken kommen. Daneben sind Motorschäden bei den Überlandbussen keine Seltenheit. Dann heisst es warten.

Handelte es sich um einen zerstörten Straßen oder Brückenabschnitt, ist die Weiterreise nur so lange unterbrochen, bis der aus der Gegenrichtung kommende Überlandbus an das Hindernis kommt – was auch mal 20 Stunden dauern kann. Dann tauschen die Passagiere einfach den Bus durch Umgehung des Hindernisses und die Busse drehen einfach wieder um und fahren „zurück“.
Bei einem Motorschaden geht es meist schneller. Hier wartet man einfach auf den nächsten, nachfolgenden Bus und sollte der einen Platz frei haben (manchmal auch nur auf dem Dach), geht es damit weiter. Dabei lernen die Backpacker sehr schnell, wie abgeschieden und auf Hilfe angewiesen sie nun plötzlich nach nur 60 oder 70 km Fahrt geworden sind. Die im Hafenort Labuan Bajo schnell erlernten Worte „Ich heiße…, ich komme aus…, ich will nach…“ funktionieren plötzlich nicht mehr. Entweder weil sie bereits einen neuen Distrikt mit anderer Regionalsprache erreicht haben und die Menschen hier die Sprache aus dem Hafenort nicht beherrschten, oder weil sie auf Menschen trafen, die die Schule nicht besucht hatten und daher die Amts-/Landessprache Bahasa Indonesia nie erlernten und auch kein Englisch können.
Die Unsicherheit in den Gesichtern der „Turis“ (das Wort wird auf Flores zur Bezeichnung von Ausländern genutzt und hat nichts mit „Tourist“ zu tun) erkannten die Fahrer der Überlandbusse schon immer und sie waren und sind es noch heute, die sich dann indirekt um den Reisenden kümmern. Ihnen kann ein Reisender stets vertrauen.

Dieses interkulturelle Erlebnis ist oft das Bedeutsamste für die Überlandreisenden. Daneben erleben die Fahrgäste atemberaubend schöne Landschaften und atemraubende Straßenabschnitte, nur cm von vielen hundert Meter tiefen Schluchten entfernt. Viele von ihnen erhaschen einen Blick auf einen besonderen Strandabschnitt an der Südküste, wo sich über Kilometer nur große, türkisfarbene Steine am Strand auftürmen und leuchten. Aber alle besuchen den Vulkan Kelimutu, welche bis vor wenigen Jahren noch mit 3 Kraterseen aufwartete, welche alle eine verschiedene Wasserfärbung hatten.
Abschluss der Reise ist vornehmlich der Ort Maumere an der Nordküste im östlichen Teil von Flores. Von hier aus gibt es täglich Flüge zurück in die Zivilisation nach Bali.

Unterhält man sich mit einem der mutigen Floresüberquerer, so sind sie alle begeistert von der unberührten Natur, den überall dominierenden, teils noch aktiven Vulkanen, der zurückhaltenden, aber hilfsbereiten Freundlichkeit der Menschen und sie sprechen von den überall anzutreffenden Gefahren, bei denen die Malaria schon in Vergessenheit geraten oder unbedeutend geworden ist. Die Reise über den Trans-Flores-Highway wurde damit zu einem reellen „Überlebenstraining“.

War Flores bis in die 1980-er Jahre noch die Reiskammer Indonesiens, änderte sich dieses mit den steigenden Zahlen von Besuchern und mit dem gestiegenen Aufkommen an „finanzieller Hilfe“ durch europäische Missionare. Es gibt abgelegene Orte auf Flores, in denen die Dorfbewohner in kleinen, durchfeuchteten Holzhütten direkt neben prunkvollen und riesigen Kirchen leben, welche in den 1990-er Jahren errichtet wurden.

Bis Ende der 1990-er Jahre wurden auf Flores Hunde dazu gehalten, um Ratten in den Feldern zu bekämpfen. Das der Hund auch als Fleischlieferant diente, war völlig normal. Damit dämmte die Inselbevölkerung das allseits gegenwärtige Tollwutproblem eigenständig ein. Heute ist der Hund schon fast zu einem Statussymbol auch auf Flores geworden und das Problem mit Tollwut steigt wieder deutlich an.
Tollwut stellt für Touristen heute ein besonders Problem auf Flores dar, denn das regionale Gesundheitssystem ist bislang nicht in der Lage, entsprechende Medikamente zur Behandlung in ausreichender Anzahl zur Verfügung zu stellen. Auch wenn ein potentiell mit Tollwut infizierter Tourist es schnell nach Bali schaffen sollte, so wird er sich leider auch auf dieser beliebten Ferieninsel (auf der seit einigen Jahren eine Tollwutepidemie herrscht, ausgelöst durch einen Hund von Flores) keiner adäquaten medizinischen Behandlung sicher sein können. Auch auf Bali gibt es immer wieder Engpässe bei notwendigen Medikamenten.

Zurück nach Flores, der Insel, die seit der großen und weltweiten Werbekampagnen für den Komodo Nationalpark, einen Boom erlebt. Mit internationaler Hilfe wird hier an touristischen Konzepten gearbeitet und erste internationale Sternehotels wurden bereits mit ausländischer Hilfe gebaut und eröffnet. Man wirbt mit Nachhaltigkeit und Öko, was aber einem genaueren Hinsehen nicht wirklich standhalten kann.

Eine klassische medizinische Problematik auf der Insel Flores ist die durch Mücken übertragbare Malariaerkrankung. Nahezu jede erwachsene Person auf der Insel hat mindestens eine Hand voll Personen in seinem familiären Umfeld durch diese parasitäre Erkrankung verloren. Malariakranke findet man jederzeit in jedem Ort der Insel.

Die Überträgermücken für Malaria oder Dengue legen ihre Larven in Wasserpfützen, wo diese dann zu einer neuen Population heranreifen. Wasserpfützen gibt es täglich mehr auf Flores, denn Plastikmüll ist ein großes und größer werdendes Problem. Hierzu trägt der neue Tourismus in doppelt schädlicher Weise bei.
Mehr Touristen bedeutet mehr Müll - mehr Müll bedeutet mehr Plastik, - mehr Plastik bedeutet mehr Pfützen - mehr Pfützen bedeutet mehr Brutplätze für Mücken – mehr Mücken bedeutet mehr Malariaüberträger - …

Neben den bekannten Höhepunkten für Touristen, dem Besuch der Komodo Warane, Tauchen und der Besteigung des Vulkan Kelimutu, werden immer neuere und modernere Konzepte beworben und angeboten.
„Canyoning“ – dahinter verbirgt sich das Klettern in Schluchten und an Wildbächen, oder „Caving“ – den Wanderungen in Höhlen.
In den Höhlen leben normalerweise Fledermäuse, die einen bedeutsam positiven Anteil am Ökosystem haben. Eine einzige Fledermaus vertilgt pro Nacht über 500 Insekten (auch Mücken) und eine Fledermauskolonie umfasst locker 10.000 Tiere, welche zusammen schnell mal 2 Mio. Insekten pro Nacht vertilgen.
Damit alleine helfen diese Tiere den Einsatz von Pestiziden in der Landwirtschaft zu halbieren und gleichsam unterstützen sie die Natur durch die Übertragung von Pollen, was den Freunden von Früchten wie Mangos, Rambutan, Langsat oder Durian, gefallen dürfte.
Besucher von Höhlen stören die Fledermauskolonien, was besonders dann der Fall ist, wenn die Tiere sich im sog. Winterschlaf befinden. Stört man eine Fledermaus während ihres Winterschlafs, verliert dieses Tier hierdurch einen Energieanteil von bis zu zwei Monaten, was dann nachfolgend oft zum Tode der Tiere führt.
Mehr „Caving“-Touristen bedeuten mehr Störung/Vertreibung/Tod von Fledermäusen – weniger Fledermäuse bedeutet mehr Insekten und weniger Früchte – mehr Insekten bedeutet mehr Krankheitsfälle – weniger Früchte bedeuten…

Gehen wir aber mal zurück zum Touristen selbst. Unfälle passieren überall, also auch auf Flores.
Wie sieht die medizinische Versorgung vor Ort aus? Tauchunfälle, Malaria, Schürfwunden, Durchfall oder Knochenbrüche…
Plastikmüll ist schon heute in vielen Teilen der Welt ein großes Problem. Plastik staut Wärme und hält Feuchtigkeit. Dies sind die besten Lebensbedingungen für die sog. Enterobakterien, also Bakterien die uns Magen-Darmerkrankungen erleiden lassen. Cholera ist ein alltägliches Krankheitsbild schon seit je her auf Flores. Diese Krankheiten werden durch unhygienische Verhältnisse sehr einfach und effektiv übertragen.

Das, was die lokale Bevölkerung auf Flores unter Hygiene versteht, mag vielleicht nicht mit dem übereinstimmen, was ein Tourist darunter verstehen mag. Bei der notwendigen Speisenaufnahme in Restaurants ist der Tourist aber auf die Hygiene des Gastgebers angewiesen, ihr vielleicht eher ausgeliefert. Durchfallerkrankungen sind bei Florestouristen etwas normales, glücklicherweise verlaufen diese alltäglichen Fälle meist recht harmlos.

Einfache Durchfallerkrankungen oder kleinere Hautverletzungen können die in den touristischen Gebieten befindlichen Erste-Hilfe-Stationen oder Kliniken händeln. Bei Infektionen mit Malaria haben sie auch vor Ort alle notwendigen Mittel zur guten medizinischen Versorgung (so lange es keine Komplikationen gibt).
Wie aber sieht es aus für die Touristen des Urwaldtrekking oder der „Canyoning“ Teilnehmer? Die Gefahr einer Band- oder Knochenverletzung ist hier überaus hoch!
Was ist mit den Tauchtouristen? Die Tauchreviere im Komodo Nationalpark sind wunderschön, aber sie zählen absolut nicht zu den einfacheren Tauchspots! Wo gibt es kompetente medizinische Hilfe nach einem Tauchunfall?

Weder beim Knochenbruch, noch beim Tauchunfall hat die Insel Flores angemessene medizinische Hilfe zu bieten. Damit sei nicht gesagt, es gäbe keine kompetenten Ärzte und Schwestern auf der Insel! Aber es gibt keine kompetente Versorgung in der Umgebung der touristischen Hot-Spots auf Flores.
Bei einem Tauchunfall ist die nächstgelegene, kompetente medizinische Versorgung auf der Insel Bali zu finden und ein Flugzeug steht auf Flores nicht bereit für einen Nottransport. Knochenbrüche, wie sie üblicherweise beim Klettern vorkommen, sind auch eher ein Fall für Fachärzte auf Bali oder anderswo. Um vom Hafenort Labuan Bajo an der Westküste zum nächstgelegenen, gut ausgestatteten Krankenhaus auf der Insel zu kommen, ist eine Autofahrt von mindestens 5 Stunden notwendig. Um vom Vulkan Kelimutu ins nächstgelegene, gut ausgestattete Krankenhaus auf Flores zu kommen, bedarf es auch einer Autofahrt von mindestens 5 Stunden. Mit dem Flugzeug ist es eine mindestens einstündige Flugzeit von Flores bis nach Bali.

Fassen wir mal kurz zusammen: Es gibt keine adäquate medizinische Versorgung in den touristischen Zentren von Flores, aber man preist immer gefährlichere Unterhaltungs- und Unternehmungsmöglichkeiten für Touristen an. Diese touristischen Aktivitäten haben zudem einen ungünstigen Einfluss auf den Artenreichtum der regionalen Pflanzen- und Tierwelt.

Was ist aber mit der Kultur der Menschen vor Ort? Die sechs Distrikte der Insel Flores stellen grob betrachtet die 5 Volksstämme der Insel dar, welche alle eine eigene Sprache besitzen. Diese Menschen leben noch mit der Natur und auch wenn (von den Küstenregionen mal abgesehen) die Insel aus Europa heraus Christianisiert wurde, so sind und blieben animistische Anteile im kulturellen Leben weiterhin erhalten. Die Menschen sind zwar aus finanzieller Betrachtungsweise heraus arm, aber sie sind reich an Erfahrung und kulturellem Leben in sozialen Strukturen.

Touristen, besonders die in Sternehotels, wollen etwas Kulturelles geboten bekommen und dazu eignen sich „Tänze“ ganz gut. Es handelt sich aber bei Flores um eine Insel in einem islamischen Staat, welche starke katholische Einflüsse erhalten hat. Daher sind Tänze, wie wir sie aus der Karibik oder der Pazifikregion kennen, nicht angebracht. Daneben entstammen „Tänze“ oft einer Vor- oder Nachbereitung kriegerischer Handlungen. Streit und Kriege zwischen den Volksstämmen auf Flores gab es schon immer. So gibt es u.a. auch einen traditionellen Kampf, der den Namen „Caci“ trägt. Hierbei treten jeweils zwei Männer mit Schild und Stockpeitsche bewaffnet, gegeneinander zum Kampf an. Diese Kämpfe sind kulturell sehr bedeutsam und es fließt stets Blut dabei. Das die touristischen Einrichtungen diesen Kampf nun bereits als „traditionellen Tanz“ betiteln, führte in den Dorfgemeinschaften bei den Ältesten zu bedeutsamen Unmut, denn sie sehen schon alleine in der Bezeichnung „Tanz“ die Missachtung und den Ausverkauf ihrer Kultur.

Die junge Gesellschaft auf Flores sieht gegenwärtig eine wirtschaftliche Chance im Tourismus und vergleicht man mal die realen Einkommensverhältnisse, dann mausert sich dieser „leicht zu verdienende Dollar“ schnell zum möglichen Sieger gegenüber der Kultur.
Einfache Touristenunterkünfte auf Flores bieten schon heute ein Zimmer für 50 US$ die Nacht, ohne jeglichen Komfort oder Service. Sie sind damit teurer und schlechter als jene Sterneunterkünfte auf Bali. Das gesetzlich vorgeschriebene Grundeinkommen für eine Arbeitskraft im Hotelgewerbe auf Bali beträgt 75 US$ pro Monat.

Will man in Labuan Bajo ein Boot für die Überfahrt nach Komodo chartern, sind Tagespreise für ein knatterndes Holzboot schnell mal bei 200 US$ angesiedelt. Um so viel Geld zu erhalten, muss eine gut ausgebildete Krankenschwester auf Flores einen ganzen Monat lang arbeiten.

Seit dem 1.9.2010 gilt eine behördliche Gebührenordnung für Touristen im Komodo Nationalpark. Neben den Gebühren zum Betreten des Komodo Nationalparks in Höhe von 20.000Rp/~1,60€, verlangt man je nach Unternehmung zusätzliche Gebühren, u.a. für Schnorcheln 60.000Rp/~4,80€ pro Stunde, Tauchen 75.000Rp/6,-€ pro Stunde und sogar jedes private Foto wird mit einer Gebühr in Höhe von 50.000Rp/~4,-€ bedacht.
Für einen einfachen Fischer oder Bauern sind diese Summen schon fern ab seiner Realität. Aber es sind die Bauern und die Fischer, ohne die Hoteliers und Restaurants nicht existieren werden können. Es sind ebenso die Bauern und Fischer, die ihre Kultur und Wertevorstellungen zu verteidigen gedenken. Sie sind es, die nie etwas anderes hatten und kannten, als ihre Traditionen und ihre Kultur. Sie erkennen die Gefahren für die Natur und die Kultur, sie leiden gesundheitlich und ökonomisch durch mehr Mücken, mehr Müll und schlechtere Ernten oder geringere Fischfangerträge.

Im Zentralgebiet der Insel Flores befindet sich am Fuße des Vulkan Inierie, das traditionelle Dorf Bena. Von der Regierung Indonesiens wurde es bereits unter Denkmalschutz gestellt und auch wenn man überall bei Denkmälern in Indonesien Eintritt bezahlen muss, so ist es hier völlig anders. Die 18 traditionellen Holzhäuser werden nur noch von einigen wenigen Alten bewohnt. Während die Frauen vor den Häusern traditionelle Sarongs weben, halten die Männer ein wachsames Auge auf alles was im und um das Dorf geschieht. Hier muss sich ein jeder Gast in ein Gästebuch eintragen und es wird freundlich um eine kleine Spende gebeten, welche man verdeckt in eine Holzkiste steckt. Auf die Frage, warum kein Eintritt verlangt wird, bekommt man eine ernüchternde Antwort. Ein offizieller Eintrittspreis lockt Touristen und scheint ihnen Rechte einzuräumen, etwas, was man hier vermeiden möchte. Man möchte keine Besuchermassen und man möchte auch nur zurückhaltende Gäste willkommen heißen. Ohne Eintritt gezahlt zu haben, traut sich niemand einfach so in die Häuser hinein zu gehen und zu fotografieren. Da die Häuser noch bewohnt werden, möchte man ein „selbstverständliches Eindringen“ in diese Privatsphäre auf diesem Weg vermeiden – und es scheint zu funktionieren.

Die großen Tourismusexperten scheinen die Kenntnisse und das Wissen dieser Menschen zu ignorieren. Oder verschweigen sie diese Kenntnisse?

In Labuan Bajo haben sich bereits junge Unternehmer aus dem lokalen Tourismussektor zusammen getan, um etwas gegen die Krankheitsausbrüche und die Vermüllung zu unternehmen. Ein Restaurantbesitzer ist über die Ignoranz seiner Nachbarn bestürzt. Der Fisch für die Restaurants wird auf dem örtlichen Markt verkauft, wo die Verkäuferinnen mit ihren Waren direkt neben seit Wochen stinkenden Müllhaufen sitzen und die Fliegen stets zwischen dem Müllberg und den offen liegenden Waren hin und her pendeln. Viele klagen über Durchfallerkrankungen, dennoch hocken sie hier um für ein Einkommen zu sorgen. Informationen zur Hygiene wurden den Menschen dort wiederholt zugetragen und selbst aufgestellte Schilder mit Informationen werden ignoriert.

Aber diese einfachen Bauern und Fischersfrauen sind nicht wirklich dumm. Wären sie es, hätten sich internationale Investoren mit ihrem Plan zum Neubau einer internationalen Klinik vor den Toren von Labuan Bajo sicher schon durchsetzen können. Die internationalen Investoren haben es schliesslich ja auch schon geschafft, Hotelbunker mit Sterneambiente vor Ort zu errichten und zu eröffnen.

In ihrer finanziellen Arroganz haben die Investoren bereits vor ein paar Jahren mit dem Bau eines mehrgeschossigen Krankenhausgebäudes beginnen lassen, ohne die Rechte am Grund und Boden der Baustelle bereits zu besitzen. Die rechtmäßigen Besitzer dieses Grundstückes hatten bereits vom Tourismus und von den Investoren gelernt und so konnten sich die Parteien bis heute nicht auf einen Preis einigen und die bereits gebaute Gebäudestruktur der Klinik rottet nun vor sich hin und wird von der Natur täglich weiter zurück erobert.

Dies beweist das Wissen bei den touristischen Investoren und Planern um die Gefahr für Leib und Leben der Touristen und die Notwendigkeit zur Sicherstellung einer angemessenen medizinischen Versorgung in der Region.
Auch zeigt es den bereits begonnenen Streit zwischen den "Menschen mit ihrer Kultur" und dem "neuen Tourismus mit seinen Strukturen".

Spätestens seit der großen Tsunamikatastrophe im Jahr 2004, aktuell auch durch das letzte große Beben mit dem nachfolgenden Tsunami vor der Küste von Japan, sind die Menschen bezogen auf Naturgewalten etwas aufmerksamer geworden.
Hat man in den betroffenen Regionen des großen Tsunami nach 2004 Projekte zur Verbesserung der Sicherheit implementiert oder zu implementieren versucht, so haben Regionen wie Bali oder auch Flores hier garnichts angedacht. So wie viele andere Regionen weltweit auch nichts dergleichen getan haben, welche auch in Gebieten mit einem erhöhten Risiko gelegen sind.
Das starke Beben vor der Küste von Japan hat an diesem Handeln zwar auf Bali zu einem "kommerziellen Sicherheitssiegel" geführt, aber hier auf Flores hat man die Problematik scheinbar noch gar nicht wirklich verstanden.
Es ist daher anzunehmen, dass die Florenesen der Einfachheit halber auf Bali abgucken.

Ein Projekt mit dem Namen "TsunamiReady" bietet Schulungen und Schilder gegen Entgelt. Wer wirklich hinter diesem Projekt steckt, ist aus der Internetpräsenz nicht so einfach zu entnehmen. Dafür aber wird mit dem Wissen aus Wikipedia geworben.
Hier sind wir aber "nur" beim Thema Tsunami. Es ist richtig, das die Region eine Tsunamigefährdung aufweist, aber viel, sehr viel wahrscheinlicher sind Erdbeben und Vulkanausbrüche.
Die Insel Flores hat mehrere aktive Vulkane. In der Vergangenheit kam es stets wiederkehrend zu Ausbrüchen.
Auch Erdbeben sind in dieser Region etwas völlig Normales. Beben der Stärke 5 und größer sind rund um die Insel oft zu verzeichnen.
Über diese Thematiken macht man sich vor Ort offensichtlich gar keine Gedanken (wir haben vor Ort bei Verantwortlichen nachgefragt)!

Es besteht die Gefahr, das die Verantwortlichen die einfachere Version wählen und das "Tsunami-Zertifikat" gekauft wird.
Es geht schliesslich um Geld, oder?
Ein Zertifikat ist schnell gekauft und man kann sofort Schilder aufstellen und damit weltweit Werbung machen. So wie man Nachhaltigkeit, Öko und Kultur auch kostengünstig und effektiv vermarkten kann.
Die zu erwartenden Gewinne werden beträchtlich sein.




 

Ein paar "bewegte Bilder" zur Insel Flores in Indonesien finden Sie "HIER"

(tho - Juli 2011)




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